Das Kraftwerk in uns neu starten:
Der ultimative Guide zur IHHT
Wie die Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie Ihre Mitochondrien regeneriert, Ihre Energie steigert und chronischen Erkrankungen entgegenwirkt – wissenschaftlich fundiert erklärt.
Einleitung: Das Kraftwerk in uns neu starten
Stellen Sie sich vor, Ihr Körper wäre ein High-End-Smartphone. In den ersten Jahren hält der Akku ewig – Sie laden einmal täglich, und das Gerät läuft zuverlässig durch den Tag. Doch mit der Zeit verändert sich etwas. Der Akku hält immer kürzer. Das Gerät wird langsamer, stürzt häufiger ab und muss ständig an die Steckdose. Irgendwann reicht selbst eine vollständige Ladung nicht mehr aus, um den Tag zu überstehen.
Genau das passiert auf zellulärer Ebene mit unseren Mitochondrien – den winzigen Kraftwerken, die in nahezu jeder unserer rund 37 Billionen Körperzellen sitzen. Mit zunehmendem Alter, durch chronischen Stress, Bewegungsmangel, Umweltgifte und eine nährstoffarme Ernährung häufen sich beschädigte, ineffiziente Mitochondrien an. Die Folge: chronische Erschöpfung, nachlassende kognitive Leistung, ein geschwächtes Immunsystem und eine erhöhte Anfälligkeit für chronische Erkrankungen.
„Menschliche Leistung wird direkt durch die mitochondriale Energiegewinnung unserer Zellen bestimmt. Gesunde Mitochondrien und ein funktionsfähiges vegetatives Nervensystem sind daher von entscheidender Bedeutung.“ — Marshall & Gartenbach, Erfahrungsheilkunde 2024
Die Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie (IHHT) ist wie ein intelligentes Reparaturprogramm für diesen Akku. Sie nutzt einen der ältesten Überlebensmechanismen des menschlichen Körpers – die Anpassung an Sauerstoffmangel – um gezielt alte, beschädigte Mitochondrien zu eliminieren und gleichzeitig die Neubildung gesunder, leistungsfähiger Mitochondrien anzuregen. In diesem Artikel erfahren Sie alles, was Sie über diese faszinierende Methode wissen müssen: von den molekularen Grundlagen über die praktische Anwendung bis hin zur aktuellen Studienlage und den Kosten.
Nach der Lektüre verstehen Sie den genauen Wirkungsmechanismus von IHHT auf Zellebene, kennen die wichtigsten Anwendungsgebiete und Kontraindikationen, können die Studienlage kritisch einordnen und wissen, für wen sich ein IHHT-Kurs lohnt.
Das Prinzip: Was ist Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie?
IHHT ist ein gerätegestütztes Trainingsverfahren, das den Körper in einem kontrollierten, rhythmischen Wechsel aus zwei Phasen aussetzt: einer sauerstoffarmen Phase (Hypoxie) und einer sauerstoffreichen Phase (Hyperoxie). Dieser Wechsel simuliert die physiologischen Bedingungen eines Höhentrainings – allerdings ohne die körperliche Belastung und die logistischen Herausforderungen eines echten Aufenthalts in großer Höhe. Die gesamte Therapie findet bequem im Liegen statt.
2.1. Die zwei Schlüsselkomponenten
Hypoxie – Der Reiz
Der Patient atmet für 3–7 Minuten Luft mit einem reduzierten Sauerstoffanteil von 9–15 % (normale Luft enthält 21 %). Dies entspricht einer simulierten Höhe von 3.000–6.000 Metern. Der Körper registriert diesen Sauerstoffmangel als milden Stressreiz und aktiviert eine Kaskade von Überlebensmechanismen auf zellulärer Ebene.
Hyperoxie – Die Erholung
Unmittelbar im Anschluss atmet der Patient für 2–5 Minuten Luft mit einem erhöhten Sauerstoffanteil von 30–36 %. Diese Phase beschleunigt die Regeneration, spült reaktive Sauerstoffspezies (ROS) aus dem Gewebe und verstärkt die adaptiven Prozesse, die durch die Hypoxie angestoßen wurden. Die Kombination aus Reiz und beschleunigter Erholung ist das Herzstück von IHHT.
2.2. Der Therapie-Zyklus: Visualisierung einer Sitzung
Eine typische IHHT-Sitzung dauert 30–45 Minuten und besteht aus 3–5 Zyklen, die sich jeweils aus einer Hypoxie- und einer Hyperoxie-Phase zusammensetzen. Das folgende Schema zeigt einen typischen Zyklus:
2.3. Der entscheidende Unterschied: IHT vs. IHHT
Intermittierendes Hypoxie-Training (IHT) ist die Vorgängerform von IHHT. Beim IHT werden die Hypoxie-Phasen lediglich mit normaler Raumluft (21 % O₂) unterbrochen. IHHT geht einen entscheidenden Schritt weiter, indem die Erholungsphasen aktiv mit sauerstoffreicher Luft (30–36 % O₂) gestaltet werden.
| Kriterium | IHT (nur Hypoxie) | IHHT (Hypoxie + Hyperoxie) |
|---|---|---|
| Sauerstoff-Phasen | Hypoxie + Normoxie (21 %) | Hypoxie + Hyperoxie (30–36 %) |
| Verträglichkeit | Mittel – kann Unwohlsein auslösen | Sehr gut – kaum Nebenwirkungen |
| Regenerationszeit | Langsamer | Deutlich schneller |
| Stress-Level | Höher (kein aktiver Ausgleich) | Moderater (aktive Erholung) |
| Zielgruppe | Primär Leistungssportler | Alle Altersgruppen, auch Kranke |
| Mitochondrien-Effekt | Mitoptose (Abbau alter Mito.) | Mitoptose + aktive Biogenese |
Die Hyperoxie-Phase ist nicht nur eine Pause – sie ist ein aktiver, therapeutischer Schritt, der die Regeneration beschleunigt und die Wirkung der Hypoxie-Phase potenziert. Genau das macht IHHT zu einer überlegenen Methode gegenüber dem klassischen IHT.
Die Wissenschaft dahinter: Wie IHHT auf Zellebene wirkt
Die Magie von IHHT liegt in der Aktivierung tiefgreifender zellulärer Prozesse, die seit Millionen von Jahren in unserem Erbgut verankert sind. Wenn Sauerstoff knapp wird, schaltet die Zelle in einen Überlebensmodus – und genau dieser Modus ist es, den wir therapeutisch nutzen wollen.
3.1. Der Master-Schalter: HIF-1α (Hypoxie-induzierbarer Faktor)
Im Zentrum der zellulären Antwort auf Sauerstoffmangel steht ein Protein namens HIF-1α (Hypoxia-Inducible Factor 1-alpha). Unter normalen Sauerstoffbedingungen wird HIF-1α kontinuierlich produziert und sofort wieder abgebaut. Sinkt der Sauerstoffgehalt jedoch, stabilisiert sich HIF-1α und wandert in den Zellkern, wo es als mächtiger Transkriptionsfaktor fungiert.
Dort aktiviert HIF-1α über 300 Gene, die für die Anpassung an Hypoxie verantwortlich sind. Zu den wichtigsten Zielgenen gehören Gene für die Glykolyse (Energiegewinnung ohne Sauerstoff), für die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese via VEGF), für die Produktion roter Blutkörperchen (Erythropoese via EPO) und – entscheidend für IHHT – für die Qualitätskontrolle der Mitochondrien.
Die Entdeckung des HIF-1α-Mechanismus war so bedeutend, dass William Kaelin Jr., Sir Peter Ratcliffe und Gregg Semenza im Jahr 2019 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin dafür erhielten. Ihre Arbeit zeigte, wie Zellen Sauerstoff wahrnehmen und sich an veränderte Sauerstoffverfügbarkeit anpassen – die molekulare Grundlage für die Wirkung von IHHT.
3.2. Qualitätskontrolle der Mitochondrien: Mitoptose und Biogenese
Der vielleicht wichtigste Effekt von IHHT auf zellulärer Ebene ist die Erneuerung der Mitochondrien-Population. Dieser Prozess läuft in zwei parallelen Schritten ab:
Schritt 1: Mitoptose – Das Aussortieren der Schwachen
Mitoptose bezeichnet den programmierten Zelltod (Apoptose) von Mitochondrien. Unter dem Einfluss der kontrollierten Hypoxie werden gezielt jene Mitochondrien in den Zelltod getrieben, die bereits beschädigt sind, eine geringe Membranspannung aufweisen oder übermäßig viele freie Radikale produzieren. Dieser Selektionsprozess ist ein natürlicher Qualitätssicherungsmechanismus: Nur die schwachen „Akkus“ werden entfernt, während die gesunden und leistungsfähigen Mitochondrien erhalten bleiben.
Schritt 2: Mitochondriale Biogenese – Die Neubildung der Starken
Gleichzeitig wird durch die Aktivierung von HIF-1α und dem nachgelagerten Transkriptionsfaktor PGC-1α (Peroxisome proliferator-activated receptor gamma coactivator 1-alpha) die Neubildung von Mitochondrien angeregt. PGC-1α ist der Hauptregulator der mitochondrialen Biogenese und sorgt dafür, dass neue, junge und hocheffiziente Mitochondrien entstehen. Das Nettoergebnis: Die Mitochondrien-Population einer Zelle wird qualitativ aufgewertet – weniger, aber deutlich leistungsfähigere Kraftwerke.
Mitoptose (Abbau)
Selektive Eliminierung alter, beschädigter Mitochondrien durch kontrollierten Zelltod. Nur die schwächsten werden entfernt.
Biogenese (Aufbau)
Neubildung junger, effizienter Mitochondrien via PGC-1α-Aktivierung. Mehr Energie, weniger oxidativer Stress.
3.3. Systemische Effekte: Weit mehr als nur Mitochondrien
Die Wirkung von IHHT beschränkt sich nicht auf die Mitochondrien. Die HIF-1α-Aktivierung löst eine Kaskade von systemischen Anpassungsreaktionen aus, die den gesamten Organismus betreffen:
| Effekt | Molekularer Mechanismus | Klinische Auswirkung |
|---|---|---|
| Angiogenese | VEGF-Hochregulation durch HIF-1α | Bessere Durchblutung, mehr Kapillaren im Muskelgewebe |
| Erythropoese | EPO-Produktion in Niere und Leber | Mehr rote Blutkörperchen, verbesserte O₂-Transportkapazität |
| CoQ10-Produktion | Hochregulation der mitochondrialen Biosynthese | Mehr Antioxidansschutz, bessere Elektronentransportkette |
| Immunmodulation | Aktivierung von NK-Zellen und T-Lymphozyten | Stärkeres Immunsystem, verbesserte Tumorüberwachung |
| Autonomes Nervensystem | Stärkung der parasympathischen Aktivität | Verbesserte HRV, bessere Stressresilienz, tieferer Schlaf |
| Antioxidativer Schutz | Induktion von Superoxid-Dismutase (SOD) | Reduzierter oxidativer Stress, Anti-Aging-Effekte |
Die Praxis: Ablauf, Protokolle und Vorbereitung
4.1. Die IHHT-Sitzung von A bis Z
Eine IHHT-Sitzung ist unkompliziert und erfordert keine besondere Vorbereitung. Der Patient legt sich in einem bequemen Sessel oder auf einer Liege zurück. Eine Atemmaske wird über Mund und Nase angelegt, die mit dem IHHT-Gerät verbunden ist. Ein Pulsoximeter am Finger überwacht kontinuierlich die Sauerstoffsättigung im Blut (SpO₂) und die Herzfrequenz.
Der Therapeut programmiert das Protokoll individuell anhand der Ziele und des Gesundheitszustands des Patienten. Während der Sitzung kann der Patient entspannen, schlafen oder leichte Tätigkeiten ausführen. Eine aktive körperliche Beteiligung ist nicht erforderlich – IHHT wirkt passiv.
Während der Hypoxie-Phase ist ein Abfall der Sauerstoffsättigung auf 80–88 % normal und erwünscht. Erfahrene Therapeuten überwachen diesen Wert kontinuierlich. Fällt die SpO₂ unter einen individuell festgelegten Grenzwert oder treten Beschwerden auf, wird die Hypoxie-Phase sofort beendet.
4.2. Die wichtigsten Protokolle im Überblick
| Protokoll | O₂ (Hypoxie) | Dauer Hypoxie | O₂ (Hyperoxie) | Dauer Hyperoxie | Zyklen | Frequenz | Kursdauer |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Prävention & Anti-Aging | 12–14 % | 5 Min. | 30–33 % | 3 Min. | 4–5 | 2× / Woche | 10–12 Sitzungen |
| Leistungssport | 9–11 % | 3–4 Min. | 33–36 % | 2–3 Min. | 5–6 | 3× / Woche | 12–15 Sitzungen |
| Therapeutisch (CFS, Long-COVID) | 14–16 % | 4–5 Min. | 30–33 % | 4–5 Min. | 3–4 | 2× / Woche | 15–20 Sitzungen |
| Kardiovaskuläre Reha | 14–16 % | 5 Min. | 30–33 % | 5 Min. | 3–4 | 2× / Woche | 15–20 Sitzungen |
| Kognitives Enhancement | 12–14 % | 4–5 Min. | 30–33 % | 3–4 Min. | 4–5 | 2× / Woche | 10–12 Sitzungen |
4.3. Vor- und Nachbereitung
Vorbereitung
Leichte Mahlzeit 2 Stunden vorher. Kein intensives Training am selben Tag. Ausreichend Wasser trinken. Ärztliche Freigabe bei Vorerkrankungen einholen.
Während der Sitzung
Entspannt liegen oder sitzen. Ruhig und gleichmäßig atmen. Bei Schwindel oder Unwohlsein sofort Therapeuten informieren. Pulsoximeter nicht abnehmen.
Nachbereitung
Ausreichend Wasser trinken. Leichte Bewegung (Spaziergang) ist förderlich. Kein intensives Training in den ersten 2 Stunden. Auf Körpersignale achten.
Indikationen & Anwendungsgebiete
IHHT ist eine vielseitige Therapieform, die in einer Vielzahl von klinischen und präventiven Kontexten eingesetzt werden kann. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Anwendungsgebiete mit einer Einschätzung der Evidenzlage:
| Indikation | Hauptmechanismus | Erwartete Verbesserungen | Evidenz |
|---|---|---|---|
| Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS) & Long-COVID | Mitochondriale Regeneration, ANS-Regulation | Fatigue-Reduktion um 30–40 %, verbesserte Belastungstoleranz | Stark |
| Herzinsuffizienz & Bluthochdruck | Angiogenese, EPO-Produktion, Endothelfunktion | Verbesserte Herzleistung, Blutdrucksenkung | Stark |
| Metabolisches Syndrom & Diabetes Typ 2 | Verbesserung der Insulinsensitivität, Mitochondrien-Funktion | Bessere Glukosetoleranz, Gewichtsreduktion | Stark |
| Sportliche Leistungssteigerung | VO2max-Steigerung, EPO, Mitochondrien-Dichte | +15–20 % VO2max, schnellere Regeneration | Stark |
| Burnout & chronischer Stress | Parasympathikus-Aktivierung, HRV-Verbesserung | Bessere Stressresilienz, tieferer Schlaf | Mittel |
| Neurodegenerative Erkrankungen (Parkinson, Alzheimer) | Neuroprotektive HIF-1α-Effekte, BDNF-Steigerung | Verlangsamte Progression, verbesserte Kognition | Mittel |
| Krebsnachsorge & Rehabilitation | Immunmodulation, NK-Zell-Aktivierung | Verbesserte Lebensqualität, Fatigue-Reduktion | Mittel |
| Anti-Aging & Longevity | Mitoptose, Biogenese, oxidativer Schutz | Verbesserte zelluläre Vitalität, Energieniveau | Mittel |
| Höhenkrankheit-Prophylaxe | Akklimatisierung des Körpers an Hypoxie | Reduziertes Risiko bei Bergtouren/Expeditionen | Stark |
5.1. Besonderes Anwendungsgebiet: Long-COVID und CFS
Eines der vielversprechendsten und aktuell intensiv erforschten Anwendungsgebiete von IHHT ist die Behandlung des Post-COVID-Syndroms (Long-COVID) und des Chronischen Erschöpfungssyndroms (CFS/ME). Beide Erkrankungen sind durch eine tiefgreifende mitochondriale Dysfunktion gekennzeichnet, die zu anhaltender Erschöpfung, kognitiven Beeinträchtigungen (Brain Fog) und einer drastisch reduzierten Belastungstoleranz führt.
Im Jahr 2026 startete eine klinische Studie (NCT07317401) an 87 Patienten mit ME/CFS, die gezielt die Wirksamkeit von IHHT auf mitochondriale Dysfunktion und Beeinträchtigungen des autonomen Nervensystems untersucht. Die Ergebnisse werden mit Spannung erwartet und könnten IHHT als Standardtherapie für diese schwer behandelbaren Erkrankungen etablieren.
Die klinische Studie NCT07317401 (Start 2026) testet IHHT bei 87 ME/CFS-Patienten in einem randomisierten, placebokontrollierten Design. Primäre Endpunkte sind Fatigue, Schmerz und Lebensqualität. Die Ergebnisse werden die Evidenzlage für dieses Anwendungsgebiet erheblich stärken.
Evidenz & Studienlage: Was sagt die Forschung?
Die wissenschaftliche Basis für IHHT wächst stetig. Während die Grundlagenforschung zu Hypoxie-Mechanismen bereits sehr gut etabliert ist (Nobelpreis 2019), befinden sich die klinischen Studien zu IHHT noch in einem frühen, aber vielversprechenden Stadium. Die folgende Übersicht präsentiert die wichtigsten Studien:
6.1. Kritische Einordnung der Studienlage
Es ist wichtig, die Studienlage ehrlich zu bewerten. IHHT ist eine relativ junge Therapieform, und viele der vorliegenden Studien weisen methodische Einschränkungen auf: kleine Stichprobengrößen, kurze Beobachtungszeiträume und ein Mangel an großen, multizentrischen, placebokontrollierten Studien. Die Grundlagenforschung zu den molekularen Mechanismen (HIF-1α, Mitoptose, Biogenese) ist hingegen sehr gut etabliert.
Die vorliegenden klinischen Studien sind vielversprechend, aber noch nicht ausreichend, um IHHT als Standardtherapie für alle beschriebenen Indikationen zu empfehlen. Die Grundlagenforschung ist solide, die klinische Evidenz wächst, aber größere RCTs sind notwendig. IHHT sollte als ergänzende Therapie, nicht als Ersatz für etablierte medizinische Behandlungen betrachtet werden.
Sicherheit, Risiken & Kosten
IHHT gilt als eine sehr sichere Therapieform, wenn sie von qualifizierten Therapeuten mit geeigneten Geräten durchgeführt wird. Die Sauerstoffsättigung wird kontinuierlich überwacht, und die Intensität der Hypoxie-Phasen wird individuell angepasst. Dennoch gibt es Kontraindikationen, die unbedingt beachtet werden müssen.
7.1. Kontraindikationen
Absolute Kontraindikationen
Kein IHHT bei diesen Erkrankungen:
- Akute Infekte und Fieber (über 38 °C)
- Schwere Herzerkrankungen (akuter Herzinfarkt, instabile Angina)
- Schwere Lungenerkrankungen (COPD Grad IV, akutes Asthma)
- Epilepsie (unkontrolliert)
- Schwere Herzrhythmusstörungen
- Akuter Schlaganfall oder TIA (innerhalb der letzten 6 Monate)
Relative Kontraindikationen
Nur nach ärztlicher Abklärung:
- Schwangerschaft
- Unkontrollierter Bluthochdruck (über 180/110 mmHg)
- Schwere Anämie (Hb unter 8 g/dl)
- Kinder unter 12 Jahren
- Aktive Krebserkrankung (Rücksprache mit Onkologen)
- Einnahme bestimmter Medikamente (Betablocker, Antikoagulantien)
7.2. Mögliche Nebenwirkungen
Bei korrekter Durchführung sind Nebenwirkungen selten und meist mild. Zu den berichteten Nebenwirkungen gehören vorübergehender Schwindel oder Kopfschmerzen während der Hypoxie-Phase, leichte Müdigkeit nach der Sitzung sowie – sehr selten – Übelkeit. Diese Symptome klingen in der Regel innerhalb von Minuten bis Stunden ab und sind ein Zeichen, dass das Protokoll zu intensiv eingestellt wurde.
7.3. Kosten und Verfügbarkeit
| Leistung | Kosten (Richtwert) | Anmerkung |
|---|---|---|
| Erstgespräch & Diagnostik | 50–100 EUR | Oft in Kurspreis enthalten |
| Einzelsitzung (45–60 Min.) | 80–150 EUR | Je nach Anbieter und Region |
| 10er-Kurs (Standard) | 700–1.200 EUR | Häufig mit Rabatt |
| 15er-Kurs (therapeutisch) | 1.000–2.000 EUR | Für chronische Erkrankungen |
| Gerät zur Eigenanwendung | 5.000–15.000 EUR | Für professionelle Anbieter |
Derzeit übernehmen gesetzliche Krankenkassen die Kosten für IHHT in Deutschland in der Regel nicht, da es sich noch nicht um eine anerkannte Kassenleistung handelt. Einige private Krankenversicherungen erstatten die Kosten teilweise. Es lohnt sich, vor Beginn eines Kurses bei der eigenen Versicherung nachzufragen.
7.4. Woran erkennt man einen qualifizierten Anbieter?
Da IHHT ein relativ junges Therapiefeld ist, gibt es noch keine einheitliche Zertifizierung in Deutschland. Achten Sie bei der Wahl eines Anbieters auf folgende Kriterien: medizinische oder therapeutische Ausbildung des Personals, Verwendung zertifizierter Geräte (z.B. Interhypox, CellAir, ReOxy), kontinuierliches Monitoring der Sauerstoffsättigung während der Sitzung, ärztliches Erstgespräch und individuelle Protokollanpassung sowie Transparenz über Studien und Wirksamkeit.
Fazit: Ein mächtiges Werkzeug für die zelluläre Gesundheit
IHHT ist weit mehr als nur ein Biohacking-Trend. Es ist eine wissenschaftlich fundierte, therapeutische Methode, die einen der fundamentalsten Mechanismen des menschlichen Körpers nutzt – die Anpassung an Sauerstoffmangel – um die zelluläre Gesundheit an ihrer Wurzel zu stärken. Durch die gezielte Erneuerung der Mitochondrien-Population bietet IHHT ein enormes Potenzial zur Steigerung der Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und zur Prävention sowie Behandlung chronischer Erkrankungen.
Die 5 wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick
| 1 | Zelluläre Erneuerung: IHHT erneuert die Mitochondrien-Population durch Mitoptose (Abbau alter) und Biogenese (Aufbau neuer Mitochondrien). |
| 2 | Systemische Wirkung: Die Effekte gehen weit über die Mitochondrien hinaus – Angiogenese, EPO, CoQ10, Immunsystem und ANS werden positiv beeinflusst. |
| 3 | Breites Anwendungsspektrum: Von CFS und Long-COVID über kardiovaskuläre Erkrankungen bis hin zu sportlicher Leistungssteigerung und Anti-Aging. |
| 4 | Gute Verträglichkeit: IHHT ist durch die Hyperoxie-Phase deutlich verträglicher als reines Höhentraining (IHT) und für alle Altersgruppen geeignet. |
| 5 | Wachsende Evidenz: Die Studienlage ist vielversprechend und wächst. Größere RCTs sind in Arbeit und werden die Evidenz weiter stärken. |
Für wen lohnt sich IHHT?
IHHT lohnt sich besonders für Menschen, die unter chronischer Erschöpfung, Long-COVID oder CFS leiden, für Leistungssportler, die ihre Regeneration und VO2max verbessern möchten, für Menschen mit kardiovaskulären Risikofaktoren oder metabolischem Syndrom sowie für alle, die präventiv in ihre zelluläre Gesundheit investieren möchten. Weniger geeignet ist IHHT als Einstieg in die Gesundheitsoptimierung, wenn grundlegende Faktoren wie Schlaf, Ernährung und Bewegung noch nicht optimiert sind.
„IHHT ist ein sinnvolles, effektives und präventives Werkzeug zum Erhalt der Leistungsfähigkeit, zur Optimierung der Regenerationsfähigkeit sowie in der Therapie von Erkrankungen.“ — Marshall & Gartenbach, Erfahrungsheilkunde 2024
Wissenschaftliche Quellen
- Behrendt, T., et al. (2022). Effects of intermittent hypoxia–hyperoxia on performance- and health-related outcomes in humans: A systematic review. Sports Medicine Open. DOI: 10.1186/s40798-022-00450-x
- Uzun, A. B., et al. (2023). Effectiveness of intermittent hypoxia–hyperoxia therapy in different pathologies with possible metabolic implications. Metabolites, 13(2), 181. PMC9961389
- Marshall, R. P., & Gartenbach, A. (2024). Intermittierendes Hypoxietraining – hin zu mehr Energie und Leistung. Erfahrungsheilkunde, 73(02), 68–74. DOI: 10.1055/a-2274-7846
- Serebrovska, T. V., et al. (2019). Intermittent hypoxia-hyperoxia training improves cognitive function and decreases circulating biomarkers of Alzheimer’s disease in patients with mild Alzheimer’s disease. Frontiers in Physiology.
- Bestavashvili, A., et al. (2021). Intermittent Hypoxic-Hyperoxic Training Effects on the Lipid Profile, Autonomic Function, and Quality of Life in Patients with Coronary Artery Disease. Frontiers in Cardiovascular Medicine.
- Ladriñán-Maestro, A., et al. (2026). Effects of a 6-Week Intermittent Hypoxia–Hyperoxia Training on Cardiovascular and Respiratory Parameters. Sports, 14(1), 42. DOI: 10.3390/sports14010042